Claude Herbulot
19.2.1908 – 19.1.2006
Der Band 12 der Esperiana ist Claude Herbulot aus Paris gewidmet, einem der wahrhaft großen Entomologen des 20. Jahrhunderts. Er schloß am Abend des 19.1.2006 in einem Pariser Krankenhaus für immer die Augen, just am selben Tag, an dem in Tasmanien das nach ihm benannte, vierte ‚Forum Herbulot’ eröffnet wurde. Dieses Fachtreffen der weltweit führenden Geometridologen hatte sich in den letzten Jahren – nicht zuletzt Dank des Charismas und der Bedeutung seiner Persönlichkeit – gleichermaßen zum Kristallisationspunkt und zum Katalysator der globalen Geometridenforschung entwickelt. Wie gerne hätte er noch an diesem Treffen teilgenommen und noch an seinem Sterbetag vertraute er seinen nächsten Verwandten an, dass er in Gedanken in Tasmanien sei.
Die internationale Bedeutung des Lebenswerkes und der wissenschaftlichen Ausstrahlung Herbulots kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Für mehrere Generationen galten sein Fachwissen und seine Publikationen gleichermaßen als Richtschnur und letztinstanzliche Expertenmeinung in der Geometridenforschung. Ein Besuch im Mekka der Geometridologie, dem Appartement im neunten Stock der „67, rue de la Croix Nivert“ hatte stets etwas Erhabenes, etwas tief Ergreifendes an sich und man kehrte nie ohne reichhaltige fachliche und persönliche Bereicherung zurück.
Herbulot hatte nicht nur bei den epochemachenden Expeditionen französischer Afrika- und Madagaskar-Forschung eine herausragende Rolle eingenommen, sondern er partizipierte auch indirekt an Forschungsreisen einer Vielzahl von Freunden in praktisch alle Teile der Welt, erkannte mit Scharfblick die für die Systematik neuen Geometriden-Taxa, und bearbeitete diese dann mit sprichwörtlicher Sorgfalt, Geschwindigkeit und Präzision. So publizierte er seit dem Jahr 1930 insgesamt 286 wissenschaftliche Artikel (vgl. www.herbulot.de), deren letzter noch im Jahr 2005 erschien! Die Erfassung der uns heute bekannten Geometriden-Biodiversität wurde zu einem beachtlichen Teil von Herbulot geprägt, und wir verdanken ihm allein etwa 5% der gültigen Artnamen, – insgesamt ca. 1.000 Taxa aus aller Welt! Allein die vier Autoren C. Herbulot, D.S. Fletcher, L.B. Prout, und W. Warren zeichnen für die Beschreibung von ca. 75% der bekannten Afrotropischen Geometridenarten verantwortlich; C. Herbulot, L. B. Prout und P. Viette beschrieben sogar 80% der Arten, die aus Madagaskar bekannt sind (Scoble et al., Using taxonomic data to estimate species richness in Geometridae, J.Lepidopterists’ Soc. 49, 1995: 136-147). In der Familie Geometridae wurden 33 Taxa nach Herbulot benannt, die Patronyme aus anderen Insektengruppen sind bisher noch gar nicht gezählt worden.
Claude Herbulot hinterläßt uns jedoch nicht nur ein reichhaltiges wissenschaftliches Erbe und eine weltweit einzigartige Sammlung, die jetzt an der ZSM aufbewahrt wird (cf. Hausmann, Die Sammlung Herbulot, Paris, in: Jahresbericht 2000 der Generaldirektion der Staatlichen Naturwissen-schaftlichen Sammlungen Bayerns, 2001: 27-30), sondern vor allem die wehmütige Erinnerung an einen äußerst klugen und sympathischen Freund.
Die Nachricht vom Tod Herbulots fand international ein gewaltiges Echo und große Anteilnahme, so dass sich hier die Publikation eines weiteren Nachrufes im eigentlichen Sinne erübrigt. Es sei auf die bereits jetzt zahlreich erschienenen und z.T. sehr detaillierten Nachrufe verwiesen, von denen hier nur drei herausgehoben sein mögen, Ph. Darge (Bull. Soc. Ent. Fr. 2006, in französisch), A. Hausmann & M. Sommerer (Spixiana 29 (2): 97-98, in englisch), G. Orhant (2006: Lambillionea 106: 125).Weitere infos zu Leben, Werk und Sammlung Claude Herbulots können auf der web-page ‚Forum Herbulot‘ (www.herbulot.de) eingesehen werden. Axel Hausmann